1920–1958

Rosalind Franklin

Biochemikerin

Sie machte die Struktur der DNA erstmals sichtbar – den Nobelpreis bekamen jedoch andere.

Rosalind Franklin lieferte entscheidende Erkenntnisse für die Entschlüsselung der DNA-Struktur. Ihre Röntgenaufnahmen und mathematischen Berechnungen waren wesentlich für das Doppelhelix-Modell von Watson und Crick – doch ihre eigene Rolle dabei blieb lange unerwähnt. Franklin starb mit nur 37 Jahren und erlebte die Nobelpreisverleihung an ihre männlichen Kollegen nicht mehr.

Biographisches

Rosalind Franklin war eine brillante Biochemikerin. In London als Tochter einer jüdischen Bankiersfamilie geboren, wurde sie von der Familie früh gefördert. Sie begeisterte sich schon als Kind für Naturwissenschaften, studierte Chemie, Physik und Mathematik.

In Frankreich spezialisierte sie sich auf die Röntgenstrukturanalyse. Sie erhielt ein Forschungsstipendium und kehrte zurück in die Heimat, wo sie ihre Arbeit am King’s College vertiefen wollte. Von den männlichen Kollegen dort wurde sie als Wissenschaftlerin jedoch kaum ernst genommen; ihr Konkurrent James Watson sagte später, sie wäre „sogar hinreißend gewesen, hätte sie auch nur das geringste Interesse für ihre Kleidung gezeigt“.

Watson und sein Kollege Francis Crick erhielten später vom Physiker Maurice Wilkins das berühmte Röntgenbild „Foto 51“, das Franklin anfertigen ließ und welches den zentralen Hinweis auf die spiralförmige DNA-Helix lieferte. Aufgrund Franklins mathematischen Berechnungen, die Watson und Crick ebenfalls zugespielt wurden, entwickelten die beiden das heute bekannte Doppelhelix-Modell. 1962 wurden Watson und Crick dafür gemeinsam mit Wilkins mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet. Rosalind Franklin war zu diesem Zeitpunkt bereits tot, sie starb mit 37 Jahren an Krebs. Trotz ihrer bedeutenden Forschung war sie nie für den Nobelpreis nominiert. Auch in den Dankesreden ihrer Kollegen fand sie keinerlei Erwähnung.

Text übernommen aus Gesine Born: „Versäumte Bilder – Wissenschaftlerinnen und Pionierinnen sichtbar machen“. Begleitheft zur Ausstellung, BMFTR 2025, S. 15.

Entstehungsprozess

Das Porträt von Rosalind Franklin war das erste „versäumte Bild“, das Gesine Born gestaltete. Auslöser war ein Podcast der ZEIT-Reihe „Verbrechen“, in dem Franklins Geschichte erzählt wurde. Die Schilderungen ihrer wissenschaftlichen Leistung und der Umstände, unter denen ihre entscheidende Rolle bei der Entdeckung der DNA-Struktur lange unbeachtet blieb, machten Born wütend. Sie beschloss, Franklin in ihrem Porträt symbolisch das zu geben, was ihr zu Lebzeiten verwehrt geblieben war: den Nobelpreis. Das Bild sollte ihr posthum zumindest auf bildliche Weise Anerkennung und Gerechtigkeit zukommen lassen. In einem Interview mit Wissenschaftskommunikation.de erläutert Born, wie sich daraus das Konzept der “Versäumten Bilder” entwickelt hat.

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