1883–1964
Anna Elisabeth Fahr
Herpetologin/ Fotografin
Ihre wissenschaftliche Expertise entstand aus Leidenschaft für die Tiere, die sie faszinierten.
Aenny Fahr war Zoologin, Tierfotografin und Expeditionsteilnehmerin – und betrieb ihre Forschung weitgehend außerhalb universitärer Strukturen. Ihre Leidenschaft für Amphibien und Reptilien führte sie von eigenen zoologischen Studien bis in die Arktis. Mit Kamera, Sammelbehältern und wissenschaftlicher Neugier dokumentierte sie Tiere und Lebensräume und machte ihre Beobachtungen für die Forschung zugänglich.
Aenny Fahr wurde 1883 in Darmstadt geboren. Schon als junge Frau begeisterte sie sich für Amphibien und Reptilien. Aus ihrer Leidenschaft für die Tierwelt wurde sie zur Forscherin, führte ihre wissenschaftlichen Untersuchungen aber zeit ihres Lebens weitgehend außerhalb der Universität aus. Sie wies erstmals den Fadenmolch in Darmstadt und Umgebung nach und stellte bei ihren Untersuchungen fest, dass die sogenannte „Molchpest“ auch bei freilebenden Molchen vorkommt. Ab 1906 veröffentlichte sie eigene Forschungsergebnisse, unter anderem über Salamander, und arbeitete mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Fachleuten zusammen. Sie hielt Tiere zu Forschungszwecken, sammelte wissenschaftliches Material und engagierte sich in Aquarien- und Terrarienvereinen.
Eine wichtige Rolle spielte dabei die Fotografie. Fahr dokumentierte Tiere und Landschaften und nutzte ihre Aufnahmen für wissenschaftliche Zwecke. Ihre Fotografien wurden unter anderem in „Brehms Tierwelt“ veröffentlicht. Fotografie war für sie jedoch nicht nur Mittel zur Illustration, sondern ein Werkzeug wissenschaftlicher Beobachtung und Dokumentation. Der Herpetologe Robert Mertens bezeichnete sie später als „meisterhafte“ Tierfotografin.
1914 nahm Fahr an einer Expedition nach Spitzbergen teil. An Bord der „Whiterose“ war sie unter anderem für die Einrichtung eines provisorischen Labors und die fotografische Dokumentation zuständig. Sie führte eigene Sammelarbeiten durch und erforschte die arktische Tierwelt. Bei der Polarexpedition entstanden zahlreiche Aufnahmen der arktischen Landschaft, Flora und Fauna, aber auch der Besatzung und des Schiffs. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendete die Expedition vorzeitig.
Fahr blieb auch danach wissenschaftlich aktiv und unterstützte über Jahrzehnte die zoologischen Sammlungen des Senckenberg Naturmuseums in Frankfurt am Main mit Tieren und Präparaten.
Sie entwickelte aus ihrer Leidenschaft für Amphibien und Reptilien eine ernsthafte wissenschaftliche Tätigkeit, der sie ohne universitären Abschluss und ohne akademische Karriere nachging. Ihr wissenschaftlicher Beitrag spiegelte sich nicht immer mit einem entsprechenden beruflichen Status. In amtlichen Unterlagen wurde sie als „Annoncen-Redakteurin“, „Kleintierzoo“ (1942), „Tierhalterin“ (1949) oder schlicht als „ohne Beruf“ (1954) geführt – obwohl sie seit Jahrzehnten forschte, publizierte, sammelte und fotografierte.
Eine ihrer Entdeckungen trägt ihren Namen. Eine Unterart der Balearen-Eidechse wurde als Lacerta lilfordi fahrae [heute: Podarcis lilfordi fahrae] nach Aenny Fahr benannt und erinnert an eine unkonventionelle Pionierin der Herpetologie.
Textgrundlage: Kapp, Luisa: Fahr, Aenny. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/14456. Für die Digitale Galerie redaktionell bearbeitet von Sibylle Schmidt.
Biographisches
Aenny Fahr während der Polarexpedition an Bord der "Whiterose" 1914. Fotografie: Urheber*in unbekannt, Archiv der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Frankfurt am Main. Entstehungsprozess
Das KI-Porträt von Aenny Fahr wurde im Auftrag der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung erstellt. Das interdisziplinäre Forschungs- und Vermittlungsprojekt „Secret Service: Frauen. Forschung. Senckenberg.“ (www.secret-service.science) das innerhalb der Förderrichtlinie „Innovative Frauen im Fokus“ gefördert wird, stellt Frauen vor, die die Naturforschung maßgeblich geprägt haben, aber deren Beiträge bislang übersehen, marginalisiert oder männlichen Kollegen zugeschrieben wurden. Die Geschichten von Frauen, welche die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung über die letzten Jahrhunderte geprägt haben, werden erforscht, dokumentiert und einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Das KI-Porträt von Aenny Fahr ist auf Basis eines überlieferten Bildnisses der Forscherin entstanden, das bei der Polarexpedition 1914 an Bord der „Whiterose“ entstanden ist.
-
Kapp, Luisa: Fahr, Aenny. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/14456
Wikipedia (2026): „Aenny Fahr“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, abgerufen am 9. September 2026.