Hintergründe entdecken Die Wanderausstellung wirft Fragen auf, die weit über die einzelnen Porträts hinausreichen. Erfahren Sie hier mehr über Frauen in Wissenschaft und Innovation, Wege zu mehr Sichtbarkeit und Gleichstellung sowie über Künstliche Intelligenz – vom Gender-Bias bis hin zu ihrem Einsatz für die Wissenschaftskommunikation.
Wissenswertes
EinblickeFragen & Antworten
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Von vielen Frauen, die in der Ausstellung gezeigt werden, sind keine historischen Abbildungen überliefert – oder zumindest keine, die sie in ihrer Rolle als Wissenschaftlerin oder Innovatorin zeigen und würdigen. Was wäre, wenn diese Frauen zu ihren Lebzeiten institutionell mit einem Porträt geehrt worden wären?
Generative Bild-KI dient in diesem Projekt als gestalterisches Werkzeug, um dieser Frage nachzugehen. Kommunikationsdesignerin und Wissenschaftsfotografin Gesine Born generiert und gestaltet das „versäumte Bild“ im Austausch mit den beteiligten Institutionen sowie – wenn möglich – Angehörigen oder anderen Personen, die mit der porträtierten Frau verbunden sind. Historische Bildquellen, biografische Informationen und persönliche Erinnerungen fließen in diesen Prozess ein. Oft sind mehrere Gesprächsrunden notwendig, bis ein Porträt entsteht, das den Beteiligten als stimmige Annäherung erscheint. Die Bild-KI macht es möglich, Ideen und Anregungen aus diesen Gesprächen unmittelbar zu visualisieren und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Die fotorealistische Bildsprache macht die Porträts besonders eindrücklich. Zugleich hyperrealistisch und fiktiv werfen sie eine weiterführende Frage auf: Wie würde unser Bild von Wissenschaft und Innovation heute aussehen, wenn die Leistungen innovativer Frauen schon zu ihrer Zeit sichtbar gemacht und öffentlich gewürdigt worden wären?
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Nein. Die „versäumten Bilder“ sind ausdrücklich als KI-generierte Porträts gekennzeichnet. Sie werden weder als historische Bilddokumente noch als Ersatz für authentische Quellen präsentiert.
Das Projekt macht vielmehr auf historische Leerstellen aufmerksam: Von vielen Frauen, die Wissenschaft und Innovation entscheidend geprägt haben, existieren keine repräsentativen Porträts oder sie sind aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden. Die KI-Bilder machen diese Lücken erfahrbar, sie sprechen die BetrachterInnen auch emotional an und provozieren. Sie regen an, über Erinnerungskultur, Anerkennung und die Sichtbarkeit von Frauen in Wissenschaft und Gesellschaft nachzudenken.
Die Porträts beanspruchen keine historische Authentizität, sondern schaffen einen Zugang zu Biografien, die lange übersehen wurden. Ähnlich wie historische Romane oder Spielfilme können sie Interesse an realen Personen und ihrer Geschichte wecken, ohne historische Quellen zu ersetzen.
Im besten Fall führen die „versäumten Bilder“ dazu, dass Menschen sich intensiver mit den porträtierten Frauen beschäftigen, Archive nach authentischen Bildquellen durchsucht werden und bislang unbekannte Fotografien oder Darstellungen ihren Weg in die Öffentlichkeit finden. Dann haben die KI-generierten Porträts ihren Zweck erfüllt: nicht Geschichte umzuschreiben, sondern dazu beizutragen, ihre Lücken zu beleuchten und die Wissenschaftsgeschichte vollständiger zu erzählen.
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Künstliche Intelligenz lernt aus großen Mengen bestehender Daten. Diese Trainingsdaten spiegeln gesellschaftliche Realitäten wider – einschließlich historisch gewachsener Vorurteile und Ungleichheiten. Deshalb können auch KI-generierte Bilder stereotype oder geschlechtsbezogene Verzerrungen reproduzieren.
Das Projekt macht diese Problematik nicht unsichtbar, sondern setzt sich bewusst mit ihr auseinander. Die Entstehung jedes „versäumten Bildes“ umfasst daher auch eine kritische Prüfung der KI-Ergebnisse. Ziel ist es, stereotype Darstellungen zu erkennen, zu hinterfragen und – soweit möglich – zu korrigieren. Der Entstehungsprozess wird transparent dokumentiert und auf der Website erläutert.
Einige Porträts machen besonders deutlich, wie tief solche Verzerrungen in KI-Systemen verankert sein können. So hat die Darstellung von Maria von Linden, die mit ihrem androgynen Auftreten gegen die binäre Geschlechterordnung ihrer Zeit aufbegehrte, Gesine Born vor besondere Herausforderungen gestellt: Die Bild-KI neigt stark zu geschlechterstereotypen Darstellungen. Die Gestalterin musste aktiv dagegen „anprompten”. Solche Beispiele zeigen, dass KI nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Vorstellungen widerspiegeln und fortschreiben kann.
Die Ausstellung möchte deshalb nicht nur vergessene Pionierinnen sichtbar machen, sondern auch zu einem reflektierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz anregen. Begleitveranstaltungen an den Ausstellungsorten sowie vertiefende Beiträge auf der Projektwebsite vermitteln Wissen über Gender Bias und zeigen Wege auf, wie KI sozial verantwortungsvoll eingesetzt werden kann, um mehr Gleichstellung zu fördern.
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In der Regel sind es die beteiligten Institutionen, die eine Pionierin aus der eigenen Geschichte recherchieren und für ein Porträt vorschlagen. Ausschlaggebend ist, dass es von dieser Frau bislang kein repräsentatives Porträt, keine visuelle Würdigung in der öffentlichen Erinnerung der Institution gibt. Bei mehreren geeigneten „Kandidatinnen“ beraten die am Projekt beteiligten Personen anhand der Quellenlage gemeinsam, welche Pionierin porträtiert werden soll.
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Wo ein Kontakt zu Angehörigen möglich ist, werden sie bewusst in den Entstehungsprozess der Porträts einbezogen. Ihre Rückmeldungen, persönlichen Erinnerungen und Hinweise helfen dabei, den biografischen Hintergrund der porträtierten Frauen besser zu verstehen und die visuelle Annäherung zu bereichern. Jedes „versäumte Bild” ist ein bildgewordener Akt der Erinnerung.
So haben beispielsweise der Sohn und der Enkel von Käthe Beutler an der Entwicklung ihres Porträts mitgewirkt. Auch das KI-generierte Porträt von Erika Spiegel entstand im engen Austausch mit ihrer Nichte und ehemaligen Studentin, Professorin Ursula Stein. Die Zusammenarbeit mit Angehörigen trägt dazu bei, die Porträts um Erinnerungen und Details aus ihrer individuellen Lebensgeschichte zu bereichern und zu korrigieren.
Selbstverständlich werden dabei die Persönlichkeits-, Urheber- und Nutzungsrechte an historischen Bildquellen sorgfältig geprüft und berücksichtigt.
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Die Wanderausstellung ist Teil des Förderprogramms „Innovative Frauen im Fokus“ und widmet sich den Lebensgeschichten und Leistungen von Frauen, die in Wissenschaft und Innovation maßgeblich gewirkt haben, deren Beiträge jedoch häufig übersehen oder anderen zugeschrieben wurden. Der Fokus auf Frauen entspricht damit dem Konzept der Förderlinie des BMFTR.
Gleichzeitig ist uns bewusst, dass Frauen nicht die einzige Gruppe sind, die in Wissenschaft und Gesellschaft mit strukturellen Benachteiligungen konfrontiert war und ist. Auch Herkunft, soziale Klasse, Ethnizität, Behinderung oder andere Merkmale können darüber entscheiden, wer Anerkennung erhält und wessen Leistungen in Erinnerung bleiben. Frauen, die mehrere Formen von Ausgrenzung erfahren haben, hatten und haben es oft besonders schwer.
Einige der porträtierten Frauen machen diese Mehrfachdiskriminierungen sichtbar. Ihre Biografien zeigen, dass hinter fehlender Anerkennung häufig mehrere, sich überschneidende Formen der Diskriminierung stehen.
Das Projekt “Wanderausstellung: Versäumte Bilder“ versteht sich deshalb nicht nur als Beitrag zur Sichtbarmachung innovativer Frauen. Sie lädt auch dazu ein, grundsätzlich über die Zusammenhänge von Machtstrukturen, gesellschaftlicher Sichtbarkeit und der Verteilung sozialer Anerkennung nachzudenken.