1923–1984

Margot Perl

Museumslaborantin

Sie rettete wissenschaftliche Sammlungen vor der Zerstörung und machte sie nach dem Krieg wieder für die Forschung zugänglich.

Margot Perl arbeitete 43 Jahre lang am Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main. 1939 begann sie dort als eine der ersten ausgebildeten Museumslaborantinnen.

Während des Zweiten Weltkriegs war sie Mitglied eines kleinen Teams, das die naturwissenschaftlichen Sammlungen vor Luftangriffen in ehemaligen Eisenerzgruben in der Wetterau in Sicherheit brachte. Nach dem Krieg war sie maßgeblich an deren Rückführung, Neuordnung und Katalogisierung beteiligt.

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Margot Perl wurde am 9. Juli 1923 in Frankfurt am Main geboren und wuchs in Oberrad auf. Nach der Schule begann sie am 1. April 1939 gemeinsam mit ihrer Schulfreundin Gertrud Wolfart eine Ausbildung zur Museumslaborantin am Senckenberg Naturmuseum. Der Ausbildungsgang war erst in diesem Jahr eingerichtet worden und eröffnete jungen Frauen erstmals die Möglichkeit, ohne akademisches Studium als offizielle Mitarbeiterinnen in einer naturkundlichen Einrichtung tätig zu sein. In den drei Ausbildungsjahren lernte Perl unter anderem Präparation, Katalogisierung und das Auslesen von Mikromaterial.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung wurde Perl fest angestellt. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte sie gemeinsam mit wenigen Kolleginnen und Kollegen zu dem Team, das die umfangreichen Sammlungen des Senckenberg Naturmuseums vor den Luftangriffen auf Frankfurt schützen sollte. Die Bestände wurden verpackt und in die Gruben „Abendstern“ und „Eisenkaut“ bei Hungen in der Wetterau ausgelagert. Perl blieb bis zum Kriegsende bei den Sammlungen und arbeitete dort unter schwierigen Bedingungen. Lebensmittel und Kleidung waren Mangelware, es fehlte an medizinischer Versorgung. Fahrten nach Frankfurt waren nur unregelmäßig und unter Herausforderungen möglich. Durch ihre Tätigkeit und Sorge um die Sammlung trug Perl wesentlich dazu bei, das wissenschaftliche Erbe der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft zu bewahren. Eine überlieferte Fotografie des Lichthofs des Senckenberg Naturmuseums nach einem Luftangriff 1944 zeigt das Ausmaß der Zerstörung, welche möglicherweise auch die Sammlungsbestände getroffen hätte.

Nach 1945 kehrte Perl in das schwer beschädigte Senckenberg Naturmuseum zurück. Nun mussten die ausgelagerten Objekte nach Frankfurt zurückgebracht, wieder aufgestellt und katalogisiert werden. Perl war an diesem Wiederaufbau maßgeblich beteiligt. In den folgenden Jahrzehnten arbeitete sie zunächst in der entomologischen Sammlung, später in der herpetologischen Abteilung, deren Bestände sie neu ordnete und erschloss. 1963 wechselte sie in die botanisch-paläobotanische Abteilung. Dabei brachte sie nicht nur technisches Können, sondern auch ein über Jahrzehnte erworbenes Wissen über die Sammlungen ein.

Ihre Arbeit zeigt eine Form wissenschaftlicher Tätigkeit, die lange Zeit wenig sichtbar war. Naturkundliche Sammlungen sind eine wesentliche Grundlage für Forschung, doch ihr wissenschaftlicher Wert hängt davon ab, dass Objekte bestimmt, geordnet, dokumentiert und auffindbar sind. Genau diese Aufgaben gehörten zu Perls Arbeit. Ihr Beitrag bestand darin, die materiellen Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit zu erhalten und für andere zugänglich zu machen.

Innerhalb des Senckenberg Naturmuseums wurde Perl für ihre Genauigkeit, Zuverlässigkeit und umfassende Kenntnis der Sammlungen geschätzt. Jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wandten sich an sie und profitierten von ihrem Erfahrungswissen. Kolleginnen und Kollegen nannten sie „Perline“; sie galt als engagierte Mentorin und prägende Persönlichkeit des Museums.

Nach 43 Dienstjahren musste Margot Perl ihre Tätigkeit 1982 aus gesundheitlichen Gründen beenden. Sie starb am 26. September 1984 im Alter von 61 Jahren. Erst in jüngerer Zeit ist ihre Arbeit stärker in den Blick gerückt: Die historische Forschung zur Rolle von Frauen am Senckenberg Naturmuseum durch das Projekt Secret Service Senckenberg im Rahmen der Förderrichtlinie Innovative Frauen im Fokus macht sichtbar, wie viele Tätigkeiten im wissenschaftlichen Umfeld von Frauen ausgeübt wurden, ohne dass sie in der klassischen Wissenschaftsgeschichte entsprechend wahrgenommen wurden.

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Textgrundlage: Kapp, Luisa: „Perl, Margot“. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/14380, Stand: 2.2.2026. Für die Digitale Galerie redaktionell bearbeitet von Sibylle Schmidt.

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Biographisches

Lichthof des Senckenbergmuseums nach den Luftangriffen 1944. Bild: Secret Service Senckenberg/ gemeinfrei via Wikimedia Commons.

Entstehungsprozess

Das Porträt wurde im Rahmen des BMFTR-geförderten Projekts „Secret Service“ im Rahmen der Förderlinie „Innovative Frauen im Fokus“ erstellt.

Es wurde generiert mit dem KI-Programm Nano Banana und zeigt eine fiktive Szene auf Basis authentischer Bildquellen: Der Hintergrund basiert auf einer echten Fotografie des zerstörten Ausstellungsraumes des Senckenberg-Museums.

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Mathilde Vaerting

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