1931–2019

Geraldyn M. Cobb

Pilotin

Sie war startklar für den Weltraum, doch die NASA bremste sie aus.

Geraldyn „Jerrie“ Cobb war eine außergewöhnliche Pilotin. Bereits als junge Frau stellte sie zahlreiche Flugrekorde auf.  Anfang der 1960er-Jahre absolvierte sie erfolgreich dieselben medizinischen und psychologischen Eignungstests wie die ersten amerikanischen Astronauten. Gemeinsam mit zwölf weiteren Pilotinnen wurde Cobb als Mitglied der später sogenannten „Mercury 13“ bekannt.

Obwohl sie ihre hervorragende Eignung für einen Raumflug unter Beweis gestellt hatte, erhielt Cobb nie die Chance, Astronautin zu werden. Frauen waren damals vom NASA-Astronautenkorps ausgeschlossen – daran konnten auch Cobbs brillante Leistung und ihr öffentliches Engagement gegen die Diskriminierung von Frauen im US-amerikanischen Astronautenprogramm nichts ändern.

Biographisches

Geraldyn Cobb wurde 1931 in Norman, Oklahoma, geboren. Sie durfte bereits als Kind ihren Vater, einen Militärpiloten, auf Flügen begleiten. Mit zwölf Jahren übernahm sie erstmals selbst das Steuer seines Flugzeugs, eines Waco-Doppeldeckers mit offenem Cockpit. Mit sechzehn Jahren erhielt sie ihre Privatpilotenlizenz, bald darauf arbeitete sie als Berufspilotin.

Nach dem Krieg hatte Cobb zunächst Schwierigkeiten, als Pilotin ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Gut qualifizierte männliche Piloten kehrten nach dem Kriegsdienst in die USA zurück und beanspruchten gut bezahlte Stellen für sich, Frauen wurden in weniger lukrative Tätigkeitsbereiche wie z.B. Agrarflüge zur Schädlingsbekämpfung verdrängt. In den 1950er-Jahren flog Cobb Überführungsflüge, testete neue Flugzeuge und nahm an Flugshows teil – Tätigkeiten, die damals nahezu ausschließlich Männern vorbehalten waren. Durch ihre außergewöhnlichen fliegerischen Fähigkeiten stellte sie mehrere internationale Geschwindigkeits-, Höhen- und Langstreckenrekorde auf. Das „Life Magazine“ zählte sie in dieser Zeit als eine von neun Frauen zu den „100 wichtigsten jungen Leuten in den Vereinigten Staaten“.

1959, im Alter von 28 Jahren, wurde Cobb Pilotin und Managerin für die Aero Design and Engineering Company in Oklahoma City, einem der größten Flugzeughersteller in den Vereinigten Staaten. Auch in ihrer Rolle als weibliche Führungskraft in der Luftfahrt war Cobb damals eine Ausnahmeerscheinung.

1960 begann der Mediziner William Randolph Lovelace II, der auch die Auswahltests für die ersten NASA-Astronauten entwickelt hatte, im Rahmen eines privat finanzierten Testprogramms zu untersuchen, ob Frauen den körperlichen Anforderungen eines Raumfluges ebenfalls gewachsen seien. Geraldyn Cobb war von Lovelace zur Teilnahme eingeladen worden. Sie bestand alle medizinischen und psychologischen Tests mit hervorragenden Ergebnissen. Nach der Veröffentlichung der Testergebnisse wurden insgesamt 24 weitere Pilotinnen für das inoffizielle Programm gewonnen, von denen zwölf die Untersuchungen ebenfalls meisterten. Die Gruppe von dreizehn Frauen wurde später unter der Bezeichnung „Mercury 13“ bekannt.

Trotz dieser Erfolge wurde das Programm eingestellt, da die offizielle Unterstützung des US-Kongresses und der Raumfahrtbehörde fehlte. Die NASA ließ Frauen faktisch nicht zur Astronautenausbildung zu, da sie ausschließlich Militärtestpiloten mit Ingenieurabschluss akzeptierte – Voraussetzungen, die Frauen in den USA damals aufgrund gesetzlicher und institutioneller Beschränkungen gar nicht erfüllen konnten. 1962 sagte Cobb gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Janey Hart vor einem Ausschuss des US-Kongresses aus und setzte sich öffentlich für die Zulassung von Frauen zur Raumfahrt ein. Die NASA hielt jedoch an ihren Auswahlkriterien fest. Wenige Monate später flog die sowjetische Kosmonautin Valentina Tereschkowa als erste Frau in den Weltraum.

Erst 1978, also sechzehn Jahre später, sollte die NASA erstmals Frauen in ihr Astronautenkorps aufnehmen. 1983 flog Sally Ride als erste Amerikanerin ins All. Geraldyn Cobb gehörte nicht mehr zu dieser Generation.

Nachdem Cobb die Hoffnung auf eine Raumfahrtkarriere aufgeben musste, widmete sie sich humanitären Aufgaben. Über drei Jahrzehnte arbeitete sie als Buschpilotin in Südamerika und versorgte abgelegene indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet mit Medikamenten, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe. Als Solo-Pilotin in ihrer Aero Commander erschloss sie neue Flugrouten über die gefährlichen Anden und den Amazonas-Regenwald und stützte sich dabei auf selbst gezeichnete Karten. Für ihr Engagement erhielt sie zahlreiche internationale Auszeichnungen, 1981 wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert.

Jahrzehnte später lebte Geraldyn Cobbs Traum vom Raumflug noch einmal auf. Als die NASA 1998 den 77-jährigen Astronauten John Glenn zu Forschungszwecken ein zweites Mal ins All schickte, setzte Cobb sich dafür ein, dass auch eine ältere Frau an einer vergleichbaren Mission teilnehmen sollte. Sie verwies darauf, dass sie einst dieselben Eignungstests wie Glenn bestanden hatte. Doch die NASA lehnte ihr Anliegen ab. Für manche Beobachterinnen und Beobachter war dies eine verpasste Chance, die diskriminierende Praxis der frühen Raumfahrtära anzuerkennen und richtigzustellen.

Geraldyn M. Cobb starb 2019 im Alter von 88 Jahren. Heute gilt sie als Symbol für eine Generation hochqualifizierter Pilotinnen, deren Weg in die Raumfahrt an gesellschaftlichen Rollenbildern und institutioneller Ausgrenzung scheiterte.
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Entwürfe und Variationen aus dem Gestaltungsprozess des KI-Porträts. Screenshot aus dem Making-of-Video von Gesine Born.

Entstehungsprozess

Das Porträt von Geraldyn M. Cobb wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt generiert und bei der Ausstellung „Versäumte Bilder“ im September 2025 in Berlin und Bonn präsentiert.

Das versäumte Bild zeigt Geraldyn Cobb als aktive Astronautin der Mercury-Mission der NASA. Im Hintergrund deutet sich ein Raketenstart an und verweist auf die Raumfahrt, die ihr trotz ihrer Qualifikation verschlossen blieb. Grundlage für die Bildgenerierung war eine historische Fotografie Cobbs während des medizinischen Testprogramms der frühen Raumfahrtära.

Wussten Sie schon…?

Geraldyn „Jerrie“ Cobb spielte semiprofessionell Softball bei den Oklahoma City Queens. Mit ihrem Verdienst sparte sie für ein eigenes Flugzeug – eine aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Fairchild PT-23.

Quelle: Smithsonian National Air and Space Museum, Geraldyn „Jerrie“ M. Cobb Papers

…und heute?

Die Raumfahrt hat sich seit den 1960er-Jahren deutlich verändert: Frauen gehören heute selbstverständlich zu Astronautinnen- und Astronautenteams und übernehmen Leitungsfunktionen in Raumfahrtagenturen und Forschungseinrichtungen. Dennoch sind sie insbesondere in technischen Berufen der Luft- und Raumfahrt weiterhin unterrepräsentiert. Bis März 2023 sind insgesamt 635 Menschen ins All geflogen. Doch nur 72 davon, also gerade einmal 11 Prozent, waren Frauen.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA koordiniert die europäischen Raumfahrtaktivitäten und bildet Astronautinnen und Astronauten für den Europäischen Astronautenkorps aus. Bisher haben erst zwei Frauen aus dem ESA-Team an Weltraummissionen teilgenommen. Claudie Haigneré aus Frankreich war 2001 die erste ESA-Astronautin, die zur Internationalen Raumstation ISS flog. 2014 folgte die Italienerin Samantha Cristoforetti.. Während ihres erneuten Aufenthalts auf der ISS im Jahr 2022 wurde Cristoforetti die erste europäische Kommandantin der ISS.

In der neuen Astronautenklasse, die 2021 ausgewählt wurde, sind erstmals 40 Prozent Frauen. Die ausgewählten Nachwuchs-Astronautinnen haben nach ihrer Ausbildung die Möglichkeit, für die ESA ins All zu fliegen. Einige erhalten möglicherweise auch die Chance, Teil der Besatzung für die nächsten Mondmissionen zu sein.

Die US-Raumfahrtbehörde NASA plant mit dem Artemis-Programm zum ersten Mal eine Frau auf den Mond zu bringen. Schon 2026 umrundeten im Rahmen der Mission vier Menschen den Mond, darunter die NASA-Astronautin Christina Hammock Koch. Eine Frau auf dem Mond wäre ein weiterer Meilenstein für die Gleichstellung der Geschlechter in der Luft- und Raumfahrt.

Textauszug aus dem Artikel: Aufbruch zu den Sternen – Frauen im Weltall, Gastbeitrag von meta-IFiF zum Wissenschaftsjahr 2023, online abrufbar unter https://www.innovative-frauen-im-fokus.de/news/aufbruch-zu-den-sternen-frauen-im-weltall/

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Barbara Thein

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Maria Margaretha Winkelmann-Kirch